ASKANIA MEDIA Home

"Djangos Reise – Asül bei den Türken"

Das Erste strahlt die zweiteilige Doku „Djangos Reise – Asül bei den Türken“ im Oktober aus
Türkisch lernen mit Django Asül


[25.06.2007] Einer der bekanntesten deutschen Kabarettisten ist zurzeit als „Integrations-Beauftragter“ unterwegs: Noch bis Juli dreht Django Asül (35) den deutsch-türkischen Zweiteiler „Djangos Reise – Asül bei den Türken“ von Pimento (Nonfiktion-Department der Askania Media) im Auftrag von RBB (Redaktion: Johannes Unger) und BR (Meggy Steffens) für Das Erste. Produzentinnen sind Heike Raab und Elle Langer, die auch Regie führen. Das Drehbuch ist gemeinsam mit Ceylan Yildirim (Askania Media) und zwei weiteren Autoren entstanden.

In zwei Mal 45 Minuten wird der türkischstämmige Niederbayer für diese Dokumentation 46 Jahre nach der Zuwanderung der ersten türkischen Gastarbeiter Bilanz ziehen – auf seine Weise, zwischen Kopftuchstreit und Kabarett: Wie sieht das türkische Leben in Deutschland aus? Welche eigene Kultur hat sich entwickelt, welchen Einfluss hat sie auf den deutschen Alltag? Untertitel der Produktion – die in Berlin, Hengersberg/Bayern und Istanbul entsteht und Ende Oktober ausgestrahlt wird – daher: „Türkisch lernen mit Django Asül“.

Herr Asül, welches ist die größte Herausforderung für Sie als Wanderer zwischen zwei Welten?

Ehrlich gesagt: keine, denn ich bin nie gewandert. Ich bin Niederbayer, und für mich ist diese Produktion wie Sightseeing, in Berlin und in Istanbul. Das Leben in beiden Großstädten ist nicht meines, und deshalb habe ich mit diesen Widersprüchen nichts zu tun. Mir geht’s eher wie den Zuschauern: Ich gucke mir das alles an. Ich will keine konträren Szenarien zusammenbringen, sondern zeige eine Bestandsaufnahme.

Und was haben Sie dabei bisher erlebt?

In Berlin gab es schon Momente, in denen man nicht mehr mit Humor arbeiten konnte. Kopftuch oder Aggression auf die Schippe zu nehmen, wäre eher kontraproduktiv gewesen. Also habe ich mich darauf beschränkt, den Alltag kennenzulernen und ihn auch nicht zu kommentieren. Für mich war das eine fremde Welt.

Womit rechnen Sie ab Ende Juni, beim Dreh in der Türkei?

Was viele nicht wissen, ist, dass auch die türkische Gesellschaft nicht homogen ist. Dort gibt es Spannungen ungeahnten Ausmaßes...

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich in Deutschland schon gemacht?

Keine einzige, die dumm gewesen wäre. Im Gegenteil: Meine Sozialisation hat bei der deutschen wie bei der türkischen Sprache mit einem bayerischen Akzent stattgefunden. Denn ich bin Bayer.

Was müssen die Deutschen noch dringend über Türken lernen – und umgekehrt?

Diese Frage ist mir zu missionarisch. Jeder Mensch sollte in der Lage sein, mit Personen, die „anders“ sind, vernünftigumzugehen. Und wenn einem etwas nicht passt, dann muss es trotzdem ohne Gewalt abgehen.
In Berlin habe ich viele Leute getroffen, die komplett ohne Deutschland auszukommen scheinen. Aber daraus muss nicht zwangsweise ein Konflikt entstehen: Ich bin ein konservativer, liberaler Mensch und muss dem nicht negativ begegnen.
Gut ist die Vielfältigkeit, die daraus entsteht. Nicht gut ist, wenn ein Ghetto entsteht, in dem niemand mehr richtig Deutsch oder richtig Türkisch spricht. Vor allem bei den Kindern: Sollen sie eine Schule besuchen, dann muss ihre deutsche Sprache über rudimentäre Kenntnisse hinausgehen. Also: Wenn ich als Türke in Deutschland zurechtkommen will, dann muss ich eben schauen, wie ich mir die notwendigen Fähigkeiten dafür aneigne. Bei mir war das ja eher umgekehrt, denn ich musste mir das Türkische aneignen...

Wie lauten die drei wichtigsten türkischen Wörter, die man als Deutscher beherrschen sollte?

Das weiß ich nicht. Denn wenn ich in Deutschland einkaufen gehe, erwarte ich, dass Deutsch die Basis ist. Das ist mir zu viel „Gutmenschentum“, für so etwas auch noch Türkisch zu lernen.

Und wo ist Ihre Heimat?

In Niederbayern – und das prägt. Ich lebe da immer noch, und das aus Überzeugung. Ich hatte auch nie das Gefühl, anders zu sein. (caro)

Heike Raab
Tel. 030 / 28 447-322

Sendetermine:
17. Oktober 2007, 22.45 Uhr, ARD: Teil 1 - Berlin
24. Oktober 2007, 23.30 Uhr, ARD: Teil 2 - Istanbul

Drehzeitraum: 06.2007 bis 07.2007
Drehort: Berlin, Istanbul
Länge: 2 x 45 Min.

Meldungen zur Produktion:
[April 2008] Die Reportage „Djangos Reise - Asül bei den Türken“ ist für den CIVIS 2008 nominiert
[Oktober 2007] STREIFLICHTER 15.10.07: „Djangos Reise - Asül bei den Türken“



« Zurück «